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ADC-Portfolio

pamlectabart tismanitin - HDP-101/BCMA-ATAC Projekt

Pamlectabart tismanitin (Entwicklungsname: HDP-101) ist ein BCMA-ATAC , das in der Indikation multiples Myelom getestet wird. BCMA (B-cell maturation antigen) ist ein Oberflächenprotein, das beim Multiplen Myelom hoch exprimiert wird, an welches BCMA-Antikörper spezifisch binden und damit den Wirkstoff Amanitin zur Krebszelle bringen. Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung des Knochenmarks und die zweithäufigste hämatologische Krebserkrankung mit einem hohen Bedarf an neuen, wirksameren Therapien. HDP-101 hat auch Potenzial für weitere hämatologische Indikationen.  

Die klinische Phase I/IIa-Studie von Heidelberg Pharma ist eine nicht randomisierte, offene Dosiseskalationsstudie, in die Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom aufgenommen werden. Die Studie dient der Bewertung der Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik und vorläufigen Wirksamkeit von pamlectabart tismanitin in dieser Patientengruppe.

Im Phase I-Teil der Studie wurden 53 Patienten in 10 Kohorten während der Dosiseskalationsphase behandelt. Die Dosierungen reichten von 20 µg/kg in der ersten bis zu 218 µg/kg in der zehnten Kohorte. In keiner Kohorte gab es Anzeichen einer okulären Toxizität, keine Infusionsreaktionen, keine ausgeprägte Myelosuppression und keine Lungen- oder Leberschäden auf, die in Zusammenhang mit der Behandlung standen. Vorläufige Sicherheitssignale wie wurden zwar beobachtet, diese Effekte wurden jedoch als beherrschbar angesehen und konnten durch eine angepasste Dosierung sowie prä- oder postmedikamen töse Behandlungsstrategien gemildert werden.

In der achten Kohorte wurden bei einer Dosis von 140 µg/kg vielversprechende Anzeichen für eine klinische Wirksam keit beobachtet, darunter eine partielle Remission, eine sehr gute partielle Remission und zwei stringente vollständige Remissionen, bei denen keine Tumorzellen im Blut oder Knochenmark der Patienten nachweisbar waren. Diese Ergebnisse ergänzen frühere positive Beobachtungen und untermauern das Potenzial von pamlectabart tismanitin als mögliche Behandlungsoption für Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom.

Anfang April 2026 wurde der Phase I-Teil der Studie abgeschlossen und die empfohlene Dosis für den Phase IIa-Teil der Studie (Recommended Phase 2 Dose; RP2D) festgelegt. Im Phase IIa-Dosisexpansionsteil sollen mindestens 30 Patienten mit der empfohlenen Dosis von pamlectabart tismanitin behandelt werden. Das Hauptziel des Phase  IIa-Teils der Studie ist die Bewertung der vorläufigen Anti-Tumor-Aktivität von pamlectabart tismanitin sowie die weitere Evaluierung der Sicherheit des Medikaments.

Der Phase IIa-Teil der Studie hat bereits begonnen und verläuf planmäßig.

Regulatorischer Status:
Pamlectabart tismanitin erhielt im Oktober 2025 von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) den Fast-Track-Status. Dieser Status wurde durch nichtklinische Daten sowie klinische Daten aus der laufenden Phase I/IIa-Studie gestützt.

Der Fast-Track-Status soll die Entwicklung und Prüfung von Therapien beschleunigen, die schwerwiegende oder lebensbedrohliche Erkrankungen mit ungedecktem medizinischem Bedarf behandeln. Er ermöglicht eine häufigere Zusammenarbeit mit der FDA, erlaubt eine gestaffelte Einreichung (Rolling Review) des Antrags auf Zulassung von Biologika (BLA) und kann zur Berechtigung für eine vorrangige Prüfung oder beschleunigte Zulassung führen.

Zusammen mit dem im März 2024 erhaltenen Orphan Drug-Status (Orphan Drug Designation, ODD) untermauert die Fast-Track-Designation die Bedeutung von pamlectabart tismanitin für die potenzielle Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom.

HDP-102/CD37-ATAC Projekt

HDP-102 ist ein ATAC, das gegen das Zielmolekül CD37 gerichtet ist. CD37 wird auf B-Zell-Lymphomzellen überexprimiert. HDP-102 soll für bestimmte Indikationen des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) entwickelt werden. Dieser Entwicklungskandidat zeichnet sich in präklinischen Studien besonders durch ein sehr großes therapeutisches Fenster hat. Das bedeutet, dass der Abstand zwischen seiner therapeutischen Dosis und einer Dosis, die zu einer inakzeptablen toxischen Wirkung führt, möglichst groß ist.

Ende Mai 2025 gab Heidelberg Pharma die Dosierung des ersten Patienten mit HDP-102 bekannt. Es wurden drei Patienten mit 40 μg/kg in der ersten Kohorte behandelt. Die ersten Daten zeigten vielversprechende Ergebnisse. Die Behandlung wurde gut vertragen, und bereits bei der sehr niedrigen Dosis wurden erste Anzeichen einer biologischen Aktivität beobachtet. Zwei Patienten zeigten eine Stabilisierung der Erkrankung mit einer Rückbildung und Verringerung der Größe der Lymphknoten. Der Sicherheitsausschuss empfahl, die Dosis von HDP-102 in Kohorte 2 auf 65 μg/kg zu erhöhen.

Im Zuge der strategischen Fokussierung wurde die Rekrutierung der Studie nach Kohorte 1 ab September 2025 pausiert und die Kohorte 2 nicht rekrutiert. Mittlerweile wurden alle Studienzentren geschlossen; es werden keine Patienten mehr behandelt.

Heidelberg Pharma prüft zurzeit Möglichkeiten für Partnerschaften, um die weitere Entwicklung des Programms voranzutreiben.

HDP-103/PSMA-ATAC Projekt

HDP-103 soll zur Behandlung des metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) (Prostatakrebs) entwickelt werden. Der verwendete Antikörper bindet an PSMA, ein Oberflächenantigen, das auf Prostatakrebszellen überexprimiert wird. Es ist ein aussichtsreiches Ziel für die ATAC-Technologie, da es in normalem Gewebe nur eine sehr begrenzte Expression aufweist.

Präklinische Studien zur In-vitro- und In-vivo-Wirksamkeit, Verträglichkeit und Pharmakokinetik zeigen, dass HDP-103 ein vielversprechendes therapeutisches Fenster aufweist. Bestätigend kommt hinzu, dass die Prävalenz einer 17p-Deletion im mCRPC mit 60 Prozent sehr hoch ist. Die erhöhte Amanitin-Sensitivität von Prostatakrebszellen mit einer 17p-Deletion wurde bereits präklinisch validiert. Da Tumorzellen mit einer 17p-Deletion besonders empfindlich gegen Amanitin sind, könnten PSMA-ATACs besonders gut für die Behandlung des mCRPC geeignet sein.

Die Herstellung von HDP-103 unter GMP-Bedingungen sowie die erforderlichen präklinischen und toxikologischen Studien mit HDP-103 sind  abgeschlossen. Im Rahmen der aktuellen strategischen Ausrichtung des Unternehmens wird dieses Programm nicht weiterentwickelt. Heidelberg Pharma arbeitet derzeit mit dem strategischen Partner Huadong zusammen, um zusätzliche präklinische Daten zu erheben, um eine mögliche klinische Phase I-Studie in China zu unterstützen. Darüber hinaus bemüht sich das Unternehmen um Partner außerhalb Chinas für die klinische Entwicklung von HDP-103.

HDP-201/GCC-ADC Projekt

Seit Herbst 2023 entwickelt Heidelberg Pharma weitere ADC-Projekte mit anderen Beladungswirkstoffen. Der erste Kandidat ist HDP-201, ein auf Exatecan-basierendes ADC. Exatecan ist ein Topoisomerase I-Inhibitor, der sich in der Krebstherapie bewährt hat und in zwei bereits zugelassenen ADCs eingesetzt wird. Es unterscheidet sich in seiner Wirkungsweise von der des Amanitins und erweitert damit die Wirkstoffpalette des Unternehmens.   

HDP-201 richtet sich gegen Guanylylcyclase-C oder GCC, einen Rezeptor, der auf der Oberfläche von Darmzellen und Krebszellen in verschiedenen gastrointestinalen Tumoren exprimiert wird. Das Zielprotein, an das der verwendete Antikörper bindet, wird bei über 95 Prozent der Darmkrebserkrankungen und etwa 65 Prozent der Speiseröhren- und Magentumore sowie bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse überexprimiert.

Heidelberg Pharma entwickelt das Projekt ebenfalls nicht weiter und strebt eine Verpartnerung an.

Prognostischer Biomarker p 53 / 17p-Deletion

Das Tumorsuppressorgen p53 und das Gen für die RNA-Polymerase II befinden sich auf dem Chromosom 17. Das Protein, das vom p53-Gen kodiert wird, hat die Aufgabe, die Tumorbildung in gesunden Zellen zu verhindern. Krebszellen haben Veränderungen in ihrem Erbgut, sodass diese Schutzfunktion nicht mehr voll ausgeübt werden kann. Dieses Protein stellt somit eine der wichtigsten Kontrollinstanzen für das Zellwachstum und somit auch einen Schwerpunkt der onkologischen Forschung dar. Bei Tumoren kommt es häufig zum Verlust oder zur Mutation des p53-Gens, um die natürliche Abwehr der Zellen zu schwächen. Die Deletion des p53-Gens geht fast immer mit der Deletion des POLR2A-Gens einher, da diese Gene in unmittelbarer Nähe auf dem kurzen Arm des Chromosoms 17 liegen. Dies wird als 17p-Deletion bezeichnet. Das POLR2A-Gen kodiert für die größte und wesentliche Untereinheit der RNA-Polymerase II, und der Verlust von POLR2A führt zu einer verringerten Anzahl dieses wichtigen Proteins. Da die Wirkweise von Amanitin darin besteht, die RNA-Polymerase II zu hemmen und schließlich einen programmierten Zelltod auszulösen, ist die so veränderte Tumorzelle besonders empfindlich gegen Amanitin.  Diese genetische Veränderung ist in den vielen Krebsarten zu finden und ist in der Regel mit aggressiveren und behandlungsresistenten Formen von bösartigen Tumoren verbunden.

Gemeinsam mit verschiedenen Forschungsgruppen in Deutschland und in den USA, u. a. mit der Universitätsklinik Heidelberg und dem MD Anderson Cancer Center der Universität Texas, konnte in präklinischen Studien belegt werden, dass Amanitin das Potenzial hat, besonders gut auf schwer zu behandelnde Tumoren mit einer 17p-Deletion zu wirken.

Heidelberg Pharma beabsichtigt, die Bedeutung des 17p-Status klinisch zu untersuchen, d.h. in der laufenden und weiteren geplanten klinischen Studien die Patientenpopulation gemäß ihres 17p-Status zu stratifizieren. Das Vorliegen einer 17p-Deletion könnte als potenzieller Biomarker für Amanitin-basierte Therapeutika dienen. Heidelberg Pharma nimmt an, dass Patienten mit einer 17p-Deletion besonders von einer Behandlung mit Amanitin-basierten Therapien profitieren könnten.

ATACs stellen somit eine vielversprechende therapeutische Strategie für Patienten dar, die an hochresistenten Tumorerkrankungen leiden. In der klinischen Anwendung könnte die Patientenselektion auf Basis des TP53 und POLR2A Genstatus das therapeutische Fenster erweitern und so eine hohe Wirksamkeit bei gleichzeitiger Verringerung der Nebenwirkungen ermöglichen.